Rußland, den 5. Nov. 1941
5. November 2011
Eure Briefe vom 15.9. und 26.9. erhielt ich am 3. Nov. und möchte Euch bestens dafür danken. Es ist nämlich nicht schön, wenn alle Post bekommen und man geht leer aus. Im Sept. erhielt ich nur einen Brief von Euch und ebenso von Irmgard. Im Oktober kam dann fast gar keine Post infolge der schlechten Wegverhältnisse. Und jetzt kennt sich unser Feldpostamt gar nicht mehr aus, solche Massen kommen nun an. Eure 4 Päckchen sind ebenfalls am 3. Nov. angekommen. Auch hierfür vielen Dank. Habe mir die Sachen gleich schmecken lassen. Die Tafel Schoko von Walter kam ja schon früher an. Vom Michel aus Hallstadt kamen Zigarren. Die Brause von Walter sendet nicht ab. Hebt sie kühl auf für das nächste Jahr, da sind wir ja doch auch fort. Und wenn Ihr Kuchen schickt, überlegt, daß er mindestens 14 Tage unterwegs ist, vielleicht auch länger.
In einer Bamberger Zeitung las ich, daß Franz Rinde aus Z. in Rußland gefallen ist. Da findet Ihr dort gerade die richtige Stimmung vor. Unser früherer Bamberger Kdr., den wir auch in Polen noch hatten, erhielt in Rußland das Ritterkreuz.
Das Wetter schlägt nun endlich um. Wir haben jetzt ganz schönen Frost. Da können wir wenigstens damit rechnen, daß es in den nächsten Tagen weitergeht. Ungefähr drei Wochen liegen wir nun im gleichen Ort. Da könnte man sterben vor Langeweile. Arbeit gibt es auch nicht so viel, daß sie den ganzen Tag ausfüllt. Um 4 Uhr wird es bereits dunkel, so daß man auch nichts mehr unternehmen kann. Und so lange schlafen geht auch nicht. Abgesehen davon, daß man vor lauter Tiergarten oft die ganze Nacht kein Auge kein Auge zudrückt.
Von Walter kam gestern ein Brief, ebenso von Irmgard. Walter macht mir “Meldung” vom Fliegerangriff auf sein Boot. Jetzt scheint er ja richtig stolz zu sein. Er wird Euch ja auch geschrieben haben, daß er nun zum E. R. eingereicht wurde.
Und nun muß ich Euch gleich meine Weihnachtswünsche bestellen. So langsam wird es ja Zeit. Daß wir hinkommen glaube ich nämlich nicht mehr recht. Wenn wir jetzt im November nicht mehr verladen werden, im Dez. ist es dann ganz aussichtslos. Ihr könnt ja nun 1 kg Päckchen schicken. Ich brauche aber ca. 10 Kerzen mit Halter. 2 oder 3 Bierflaschen mit Rotwein, so ein Büchschen Zitronenersatz, wie Ihr es einmal als Brause geschickt habt. Zimt habt Ihr ja doch kaum. Wollen hier doch etwas zusammenbrauen.
Habt Ihr übrigens noch Tee für Euren Punsch? Schreibt gleich. Will schauen, daß ich dann etwas bekomme, wenn auch nicht viel.
Wenn ich heuer nicht heimkomme, wird es schlecht ausschauen mit der Weihnachtstafel. Hoffentlich liefert R. eine Weihnachtsgans. Oder vielleicht kommen wir doch noch heim. Dann übernehme ich die Besorgung.
Ob die Marken noch gelten weiß ich nicht. Müßt Euch mal umsehen. Es sind ja neue Marken herausgekommen.
Neues von der Front gibt es nichts. Die ist uns momentan ausgerissen. Morgen geht es wieder weiter.
Laßt nun auch Ihr bald wieder etwas hören.
Die herzlichsten Grüße sendet Euch
Euer Sohn
Hans
