Rußland, den 7. Oktober 1941
7. Oktober 2011
Nach längerer Zeit wieder mal einen Brief. Ich glaube, daß ich nicht mehr lange schreiben brauche. Noch einige Wochen bis der große Schlag gelandet ist, dann hoffen wir Richtung Heimat verladen zu werden.
Momentan sitze ich in einem kleinen Städtchen. Habe in einem kleinen Zimmerchen mein Quartier aufgeschlagen. Nachdem die ersten Oktobertage fabelhaften Spätsommer brachten, heult seit gestern ein grausamer Nordost um die Bude. Letzte Nacht hat nun auch der Schnee alles unter eine weiße Decke gehüllt, der nun aber schon wieder durch den Regen vertrieben wird. Habe ja einen Ofen im Zimmer, den es aber meistens mehr friert als wie mich. Gestern und heute habe ich je einen Ster Holz reingefeuert, trotzdem merkt man in der Bude bald nichts davon. Habe die letzte Nacht vor Kälte bald nicht geschlafen. Heute früh habe ich nun gleich sämtliche Spalten am Fenster mit Schafwolle abgedichtet. Vielleicht wird es doch noch etwas warm.
In der Nähe ist ein Flugplatz, den die Roten öfters anzugreifen versuchen. Bomben konnten sie noch keine werfen, dafür erleben wir wieder interessante Vorstellungen. Alleine gestern waren es sieben Bomber, die innerhalb von fünf Minuten im Luftkampf abgeschossen wurden.
Vor einigen Tagen waren wir auch zufällig mal in einem deutschen Kolonistendorf im Quartier. Es war ein eigentümliches Gefühl, so weit von der Heimat wieder mal mit Deutschen sprechen zu können. Auch die kleinsten Kinder sprachen geläufig deutsch. Sonst spürte man aber wenig mehr vom Deutschtum. Bis auf wenige Ausnahmen waren sie genau so dreckig und stinkig wie die Russen.
Nun zurück zu Euch. Ihr schreibt ja aufeinmal auch herzlich wenig. Seit ungefähr Mitte August erhielt ich von Euch außer den Päckchen nur einen Brief. Von Irmgard einen oder zwei Briefe. Schreibt Ihr so wenig oder kommt blos die Post nicht nach? Also setzt Euch wieder mal hin und bemüht Euch ein wenig. Gartenarbeit gibt es ja kaum mehr, wenigstens wenn es bei Euch ebenso kalt ist als wie bei uns.
Gestern kam mir eine Nachricht zu, wonach die Engländer Falschgeld und Lebensmittelmarken über Deutschland abwerfen. Stimmt das? Was die sich alles einbilden.
Sende heute auch zwei Tafeln Schokolade mit ab. Hoffentlich erhaltet Ihr sie bald. Irmgard wird ja Augen machen wenn sie die großen Tafeln sieht. Leider war sie aber diesmal nicht an der Reihe und Ordnung muß sein.
Nun laßt auch bald von Euch hören
Die herzlichsten Grüße sendet Euch
Euer Sohn
Hans
