Rußland, den 16. September 1941
16. September 2011
Liebe Eltern!
Endlich komme ich nun wieder dazu, Euch einige Zeilen zu schreiben. Wollte ja schon vor einigen Tagen zur Feder greifen, kam aber ein längerer Marsch dazwischen. Jetzt sind wir aber wieder in Ruhe.
Vor ca. 8 Tagen erhielt ich 4 Päckchen Brause. Vielen Dank. Ihr könnt aber die Sendungen jetzt einstellen. Allmählich wird es kalt, obwohl unser Weg nach Süden führt.
Am 1.9. fiel einer meiner besten Kameraden, Stiegler aus Nbg. Hat 3 Kinder zu Hause. Ihr kennt ihn ja auch. Er brachte Euch letztes Jahr die beiden Pakete von Cham aus. Der 1.9. war überhaupt ein dunkler Tag für uns. Werden lange daran denken.
Die letzten Tage brachten dauernden Regen. Erst seit 3 Tagen geht es wieder einigermaßen. Wir waren während dieser Tage auf dem Marsch. Kein trockener Faden mehr am Leib. Mußten uns die Wege oft erst bauen. Sind dabei schon mehr zu Pionieren geworden. Wenn es hier regnet, gibt es überhaupt keine Straßen mehr. Alles bildet einen einzigen Morast, in dem man oft bis zu den Knien versint. Gott sei Dank hat nun aber der starke Wind wieder aufgetrocknet, so daß wir bald wieder weiter können.
Die Russen-Flieger machen sich auch recht unangenehm bemerkbar. Sobald unsere Jäger verschwunden sind, sind sie da. Und daß diese Ratas nicht von Pappe sind, habt Ihr vielleicht schon gehört. Ungeheuer wendig sind diese Dinger. Mußten erst letzhin einen Angriff über uns ergehen lassen. Die Fetzen sind blos so umher geflogen. War eine Erlösung als unsere Jäger in der Ferne auftauchten. So ein Vogel am Himmel ist uns lieber als die Sonne. Da war das Bild gestern schon erfreulicher. 6 Russenbomber wollten in der Nähe einen Flugplatz belegen. Treffen aber nicht. Sofort stiegen 2 Jäger auf. Die Russen hauen ab. Gerade über uns entspinnt sich ein herrlicher Luftkampf. Ein Gegner nach dem anderen stürzt brennend ab. Innerhalb von 3 Minuten waren sämtliche 6 Bomber erledigt. Nur 3 Flieger konnten abspringen, fielen aber in deutsche Hände. Prima.
Walter schrieb mir auch. Machte ein Päckchen an mich fertig. Brause u. Schoko. Glaube kaum, daß es ankommt. Wird wohl zu schwer sein. Muß ihm aber abschreiben. Will mir auch Rauchwaren schicken. Habe doch alles selbst genug. Hat Vater übrigens noch Tabak. Werde ihm nächstens 2 Päckchen schicken. Soll schreiben, wenn er welchen braucht.
Seit wann ist übrigens Walter von der Kobergerstr. eingezogen. Wußte es ja noch gar nicht. Ich wollte, ich wäre auch in Südfrankreich. Der Wein und Sekt aus Fr. geht mir ab.
Diesmal bekommt Ihr meine Post aber bestimmt schneller. Wird mit dem Flugzeug befördert.
Schreibt nun auch bald wieder. Und feiert heute Mutters Geburtstag richtig. Der Keller birgt ja gute Sachen. Den (Spülwasser-) Kaffee trinke ich hier.
Die herzlichsten Grüße sendet Euch Allen
Euer
Sohn u. Bruder
Hans
