Bamberg, 2. März 38
2. März 2008
Liebe Eltern!
Habe Euren Brief vom 24. Febr. erhalten und mich sehr gefreut. Aber warum glaubt Ihr denn immer gleich, ich sei krank. Das ist nicht der Fall. Mein Husten ist schon etwas besser. Ich nehme jetzt täglich Inspirol und hat schon geholfen.
Das Briefeschreiben verschiebe ich halt immer von einem Tag zum Anderen. Habe zur Zeit ein Buch von Ganghofer, betitelt ‘Der Rosenkrieg’ und Ihr wißt ja, wenn ich etwas zum Lesen habe, muß so manches zurückstehen.
Ein Teil der Besichtungen sind vorüber. Sie sind sehr gut ausgefallen. Der Fußdienst hat daher nachgelassen. Es sind nurmehr 2 Stunden in der Woche. Allerdings will uns da unser Uffz. tüchtig aufschwanzen und führt uns daher immer wieder aus dem Blickfeld der Anderen. Aber wir mögen überhaupt nicht mehr. Und machen kann er ja nichts, da er selbst reinfallen würde.
Dafür beginnt nun das Ausrücken. Die ersten Stunden sind bereits hinter uns. Aber da hättest mich schon sehen müßen. Wir lernen da das Säbelfechten zu Pferd. Im Grunde ist es garnicht so schwierig, wenn man nur acht gibt. Aber mein ‘Bock’, der ja sowieso schon zappelig ist, ist es jetzt umso mehr. Er ging andauernd vorne und hinten hoch und wollte mich abwerfen. Da ich mit gezogenem Säbel oben saß und also die Zügel nur mit einer Hand hatte, war es schon nicht zu leicht. Wenn er mich auch manchmal ganz toll herumwarf, ich hatte ihn schon sofest zwischen Schenkel und Knie, daß er wenig Erfolg hatte. Die Hauptsache ist, daß man den Säbel immer richtig hat, damit man den Bock nicht aus Versehen verletzt. Dann wurde noch das Pferde-führen geübt, das beim “Zum Kampf absitzen” in Frage kommt. Ich mußte da noch ein zweites Pferd führen. Es ging soweit ganz gut, als wir in Deckung ritten. Als es aber wieder zurückging, wäre ich beinahe falsch gelandet. Ich kam an die Spitze der Pferdehalter und mein Kamerad ging zu weit links ab und an den Abgesessenen weit vorbei. Da das rechts abbiegen ziemlich schwierig ist gelang es mir nicht und die ganze Meute natürlich frisch hinter mir drein. Ich konnte mich vor lachen bald nicht mehr im Sattel halten. Ich konnte dann aber mein Pferd nach links herumwerfen, da dies bedeutend einfacher ist und man kam doch noch an den richtigen Ort. Das Schöne war, daß die Anderen alles mir nachmachen mußten, da sie Ihre Gäule auch nicht mehr in Gewalt hatten. Zum Glück merkte der Gruppenführer nichts. Aber mit der Zeit geht alles.
Daß Ihr Euer Pflegekind noch habt, hätte ich mir eigentlich denken können. Ich bin bloß gespannt, wann Ihr es wohl losbringt. Ich glaube, daß die Kuni nur zu bequem ist, das Kind wo anders unterzubringen. Wenn ich Ostern nach Hause komme, ist die Bude hoffentlich frei, aber nicht nur über die Feiertage.
Von Rüdisbronn habe ich bereits ausführlich Bericht erhalten.
Der Faschingszug soll heuer einmal schön gewesen sein. Ist es tatsächlich so oder schreibt es nur die Zeitung? Hat man den Nürnbergern ein Bein raußreißen müßen, damit sie lachen konnten. In Bamberg wurde der Faschingszug abgeblasen, da in der ganzen Umgebung die Seuche herrscht. Am Dienstag hatte der ganze Standort nachmittags dienstfrei mit Außnahme unserer Schwadron. Wir hatten Gefechtsschießen. Nachts hatten wir dann bis 1h Ausgang. Wie auch am Sonntag so herrschte auch da noch reger Betrieb auf den Straßen. Das Pflaster sah man tatsächlich nicht mehr, so dicht war alles mit Confetti besät. Ich hatte mich in sehr vielen Lokalen umgesehen. Es war aber nirgends mehr unterzukommen, da ich schon zu spät dran war. Um 9h bin ich dann wie üblich im Adler gelandet und brauchte es auch nicht zu bereuen. Heute nachmittag war dienstfrei. Ich konnte aber nicht fort, da ich um 5h nochmals Dienst hatte und danach beschäftigt mich Euer Brief.
Joseph hat Euch auch besucht schreibt er mir. Und soeben erhielt ich eine Karte von Irmgard. Sie war anscheinend an Faßnacht mit Joseph im Zillertal. Auf der Karte hat anscheinend die ganze 4. Batterie unterschrieben. Der Irmgard vielen Dank für die Karte.
Vor 14 Tagen wollte ich die Liesl besuchen. Es wurde mir aber gar nicht aufgemacht. Vor 8 Tagen gelangte ich dann wenigstens in das Haus (Irrgarten wäre das gleiche), mußte dann aber erfahren, daß die beiden bereits Sonntag früh weggefahren waren. Will es nochmal am kommenden Sonntag probieren.
Euer Paket erwarte ich. Es macht mir schon jetzt den Mund wässerig. Werden Euch die Pakete nicht zuviel. Mir wird es fast selbst zu dumm, daß Ihr mich immer so viel versorgt. Aber leider kann ich nicht wie beim Arbeitsdienst nein sagen. Warum weiß ich selbst nicht.
Für heute will ich schließen. Es grüßt Euch alle herzlichst
Euer Sohn
Hans

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