Rußland, den 28. XII 1941

28. Dezember 2011

Liebe Eltern u. Irmgard!

Posteinlauf am 21. XII.: Brief vom 10. XI. und vom 13. XI., 2 Kuchenpäckchen u. das Päckchen mit Kerzen etc.

Posteinlauf am 25. XII.: Brief vom 21. XI. (Nr. 2, wo ist Nr. 1?), 2 Päckchen mit Plätzchen u. Rasierzeug etc. Außerdem ein Päckchen von Onkel Hübschmann und von den 20ern.

Wie Ihr seht, ist die Post gerade rechtzeitig eingetroffen. Recht vielen Dank, vor allem für die Päckchen. Die Sachen waren ja alle prima und haben auch bei meinen Kameraden Anklang gefunden. Habe ein sehr schönes Weihnachten verlebt. Und zwar habe ich es mit vier Kameraden in Orel gefeiert. War schon einige Tage vor Weihnachten dort und hatte ein ganz nettes Quartier. Mußte aber wieder zur Abteilung fahren, ließ aber einen Kameraden im Quartier zurück, da mein Bestreben war, Weihnachten in Orel zu feiern. Habe zur Zeit nämlich wieder die Verpflegung da mein Vorgänger ins Lazaret kam und pendel so ständig zwischen Abt. und V. Amt hin und her. Hatte die ganze Zeit Ruhe von diesem Geschäft und bin daher auch jetzt nicht entzückt. Gebe es auch in einigen Tagen wieder auf. Hatte schon Krach mit dem Alten deswegen.

Am 24. in der Frühe fuhr ich von der Abt. wieder weg nach Orel, ca. 80 km. Ein Sauweg. Den ganzen Tag vorher herrschte ein Schneesturm einfach grausam. Da ist natürlich alles verweht, der Schnee selbst liegt nämlich gar nicht so hoch. Kam um 6 Uhr in’s Quartier zurück. In der Zimmerecke stand bereits ein prima Weihnachtsbaum, den der zurückgebliebene Kamerad besorgt hatte. Die Russen hatten den Baum geputzt. Ich mußte sehr staunen, daß die Russen den Weihnachtsbaum überhaupt kennen. Wie ich mich nachher noch bei vielen anderen russischen Familien überzeugen konnte, setzt jede Familie ihren Stolz in einen möglichst schönen Weihnachtsbaum, wenn auch das Fest, wenigstens nach außen hin, kein rein christliches mehr ist. – Kerzen waren auch schon vorhanden, konnte aber trotzdem die Euren auch noch gebrauchen. Haben die Kerzen am hl. Abend und an den zwei Feiertagen angebrannt und jeweils die Kerzen ganz niederbrennen lassen. Dauerte immer ca. 1½ Stunden. Tranken beim Kerzenschimmer starken Bohnenkaffee (mit kond. Milch), dazu Kuchen und Plätzchen usw.  War ganz feierlich. Überhaupt gelebt haben wir wie im tiefsten Frieden. Am hl. Abend hatten wir zwei Hühner als Festessen. Außerdem gab es aber noch Schinkenwurst, weiße Stadtwurst (heiß), Käse, Butter, Likör u. Cognac, Zwetschgenschnaps. Einfach Alles was das Herz begehrt. Das ging die ganzen Feiertage so weiter. Am ersten Feiertag holte ich mir noch 10 Fl. Weißwein vom V. Amt. Da war der Laden fertig. Der Weißwein gehörte zur Tagesunterhaltung und abends gab es Tee mit Cognac und Grog. Als ich mich in’s Bett legte war ich ja nicht mehr ganz nüchtern. In der Frühe hatte ich bei der Feldpost meine restlichen Päckchen geholt. Da war natürlich die Stimmung die ganzen Feiertage sehr gehoben.

Die Hauptsache war aber die wichtige Feiertagsruhe, die ja nicht allen Kameraden beschert war. Aber in unserem Abschnitt herrschte so ziemlich Ruhe. Unsere Abt. hat es auch verdient und zu einer fröhlichen Weihnachtsfeier hatten wir auch besonderen Grund. Kurze Zeit vorher ist uns der A…. hochgegangen. Es genügt wenn ich Euch sage, daß ich nur mehr das habe was ich am Leib trage. Sonst ist alles fort. Foto, Uhr, Bücher, etliche Filme, 50 Weihnachtszigarren @ 30 Pf., 50 Österr. Virginia (sollten für Vater sein) und sonst viele andere Sachen. Vergnügt sich jetzt der Russe damit. War mit einer kleinen Gruppe auf Sicherung, wurden eingeschlossen, merkten garnichts davon, die Abt. ist bereits weit weg. Bis wir die Lage erfassen, wird es zu spät, müssen unser leichtes Gepäck stehen lassen, Beine über die Achseln nehmen und uns zu den Unserigen durchschlagen und hatten keine Ahnung wo sie sind.

Rußland, 5. Dezember 1941

5. Dezember 2011

Möchte Euch Allen ein recht frohes Weihnachtsfest und zugleich ein gesundes und glückliches Neues Jahr wünschen.

Euer
Sohn u. Bruder
Hans

Rußland, den 18. Nov. 1941

18. November 2011

Liebe Eltern u. Irmgard!

Eure Karte vom 16.10. aus Z. erhalten, ebenso gestern den Brief vom 30.10. Die drei Päckchen erhielt ich am 13.11. waren aber schon früher da, nur ich war weg von der Abteilung. Vielen Dank für alles. Könnt Euch mein Erstaunen vorstellen als ich die Päckchen vorfand. War spät am Abend nach langer Abwesenheit wieder bei meinen Kameraden gelandet. War fabelhaft, heißer Kaffee und der gute Kuchen und nachher eine Zigarre. Kam ganz gelegen. Hatte die Tage vorher gar nichts mehr zu rauchen. Als Rost gab es dreimal am Tage Kartoffeln. Die Päckchen kamen als gerade recht. Auch der Gartengruß hat mich sehr gefreut. Ist schon alles aufgebraucht. 

Erhielt heute einen Brief von Wolkersdorf. Schrieben mir von Schwabach. Warum schreibt Ihr von Nbg. nichts? 

Mit den Päckchen die ich absandte kenne ich mich nicht recht aus. Es muß noch 2 x Schoko kommen, die ich am 7.X. absandte (franz. Schoko). Wie war es aber mit den Seifenpäckchen. Sandte zuerst 3 Päckchen mit je 2 Seife u. 1 Päckchen Pfeffer ab (zusammen). Dann einige Wochen später nochmals 3 Päckchen (zusammen) mit Seife. Einmal habt Ihr mir den Eingang von Seife bestätigt.  Was ist mit der zweiten Sendung?

Wegen der Post dürft Ihr Euch nicht beklagen. Ich schreibe regelmäßig. Wenn keine Post weggeht kann ich ja auch nichts dafür. Ich hatte auch schon eine Zeit, da bekam ich von Euch innerhalb von acht Wochen ganze zwei Briefe. Später kam alles auf einmal. Wenn Ihr die Wegverhältnisse kennen würdet könntet Ihr Euch nicht mehr beklagen. Ich bin zufrieden, daß die Post trotz der schlechten Verhältnisse so klappt.

Mit dem Wetter können wir zufrieden sein. Schnee liegt, aber wenig. Die Hauptsache ist der Frost. Können wenigstens wieder richtig vorwärts kommen. Die Kälte ist meistens normal, also nicht übermäßig. Wenn allerdings mal so ein kleines Windchen bläst oder ein Schneesturm aufkommt können wir uns gratulieren. So etwas gibt es zu Hause nicht. Sind aber gut mit Winterbekleidung versorgt. Habe eine Unterjacke, einen Rollpullover, darüber der Rock, darüber der einfache Mantel, darüber der dicke Wintermantel. Und dann bin ich persönlich im Hochsommer. Ich kann garnicht alles gebrauchen, da ich sowieso immer gleich schwitze.

Und nun noch eine Bitte. Sendet mir ein einfaches Besteck (Messer, Gabel, Löffel). Vielleicht kann Mutter so ein einfaches Stoffsäckchen dazu machen. Außerdem brauche ich einige Päckchen Süßstoff.

Sandte heute an Mutter RM 110.-. Aufteilung wie folgt: RM 5.- sind für Irmgard (Romanhefte). RM 15.- für meine Bestellungen in der letzten Zeit. Der Rest von RM 90.- gehört Euch (3 x 30.- Mark) als Christkind. Hoffentlich könnt Ihr Euch etwas davon kaufen, damit Ihr es nicht wie unsere Soldaten machen braucht, die sich aus Langeweile, Geldüberfluß und Spaß die Zigaretten mit Geldscheinen anzünden.

Nun laßt recht bald von Euch hören, auch zu Weihnachten durch Kuchen von der gleichen Art.

Die herzlichsten Grüße sendet Euch 

Euer Sohn u. Bruder
Hans

Rußland, den 5. Nov. 1941

5. November 2011

Liebe Eltern!

Eure Briefe vom 15.9. und 26.9. erhielt ich am 3. Nov. und möchte Euch bestens dafür danken. Es ist nämlich nicht schön, wenn alle Post bekommen und man geht leer aus. Im Sept. erhielt ich nur einen Brief von Euch und ebenso von Irmgard. Im Oktober kam dann fast gar keine Post infolge der schlechten Wegverhältnisse. Und jetzt kennt sich unser Feldpostamt gar nicht mehr aus, solche Massen kommen nun an. Eure 4 Päckchen sind ebenfalls am 3. Nov. angekommen. Auch hierfür vielen Dank. Habe mir die Sachen gleich schmecken lassen. Die Tafel Schoko von Walter kam ja schon früher an. Vom Michel aus Hallstadt kamen Zigarren. Die Brause von Walter sendet nicht ab. Hebt sie kühl auf für das nächste Jahr, da sind wir ja doch auch fort. Und wenn Ihr Kuchen schickt, überlegt, daß er mindestens 14 Tage unterwegs ist, vielleicht auch länger.

In einer Bamberger Zeitung las ich, daß Franz Rinde aus Z. in Rußland gefallen ist. Da findet Ihr dort gerade die richtige Stimmung vor. Unser früherer Bamberger Kdr., den wir auch in Polen noch hatten, erhielt in Rußland das Ritterkreuz.

Das Wetter schlägt nun endlich um. Wir haben jetzt ganz schönen Frost. Da können wir wenigstens damit rechnen, daß es in den nächsten Tagen weitergeht. Ungefähr drei Wochen liegen wir nun im gleichen Ort. Da könnte man sterben vor Langeweile. Arbeit gibt es auch nicht so viel, daß sie den ganzen Tag ausfüllt. Um 4 Uhr wird es bereits dunkel, so daß man auch nichts mehr unternehmen kann. Und so lange schlafen geht auch nicht. Abgesehen davon, daß man vor lauter Tiergarten oft die ganze Nacht kein Auge kein Auge zudrückt.

Von Walter kam gestern ein Brief, ebenso von Irmgard. Walter macht mir „Meldung“ vom Fliegerangriff auf sein Boot. Jetzt scheint er ja richtig stolz zu sein. Er wird Euch ja auch geschrieben haben, daß er nun zum E. R. eingereicht wurde.

Und nun muß ich Euch gleich meine Weihnachtswünsche bestellen. So langsam wird es ja Zeit. Daß wir hinkommen glaube ich nämlich nicht mehr recht. Wenn wir jetzt im November nicht mehr verladen werden, im Dez. ist es dann ganz aussichtslos. Ihr könnt ja nun 1 kg Päckchen schicken. Ich brauche aber ca. 10 Kerzen mit Halter. 2 oder 3 Bierflaschen mit Rotwein, so ein Büchschen Zitronenersatz, wie Ihr es einmal als Brause geschickt habt. Zimt habt Ihr ja doch kaum. Wollen hier doch etwas zusammenbrauen.

Habt Ihr übrigens noch Tee für Euren Punsch? Schreibt gleich. Will schauen, daß ich dann etwas bekomme, wenn auch nicht viel.

Wenn ich heuer nicht heimkomme, wird es schlecht ausschauen mit der Weihnachtstafel. Hoffentlich liefert R. eine Weihnachtsgans. Oder vielleicht kommen wir doch noch heim. Dann übernehme ich die Besorgung.

Ob die Marken noch gelten weiß ich nicht. Müßt Euch mal umsehen. Es sind ja neue Marken herausgekommen.

Neues von der Front gibt es nichts. Die ist uns momentan ausgerissen. Morgen geht es wieder weiter.

Laßt nun auch Ihr bald wieder etwas hören.

Die herzlichsten Grüße sendet Euch
Euer Sohn
Hans

Rußland, den 1. Nov. 1941

1. November 2011

Liebe Eltern u. Irmgard!

Vor drei Tagen erhielt ich Euren Brief vom 10.9., die Karte vom 2.9. und die Tafel Schokolade von Walter. Außerdem kam ein Päckchen von Annie. Nachdem Euer vorletzter Brief vom 25.8. war, hättet Ihr den ganzen September nicht geschrieben. Das kann doch nicht gut stimmen. Na vielleicht kommt noch etwas nach.

Anscheinend wurde Vaters Geburtstag ganz nett gefeiert. Aber von einer Flasche Likör kann man doch gar nicht bei vier Teilnehmern. Die Karte führt aber zu dieser Vermutung. Irmgard schreibt die Adresse nicht so schwungvoll wie im normalen Zustand und Vater kritzelt auch blos. Schöne Zustände.

Seit kurzer Zeit liegen wir in Ruhe, durch das Wetter bedingt. Quartier haben wir haben wir in einem Städtchen, d. h. ein größeres, dreckiges Bauernnest. Auf der Straße versinkt man im Dreck. Wenn man noch kein Dach überm Kopf bräuchte, würde man die Hütten gar nicht betreten. Alles voll Wanzen, Läusen u. Flöhe. Solange wir im Freien schliefen, kannten wir das Zeug nicht. Aber jetzt sind diese Jagden schon zur täglichen Unterhaltung geworden.

Dieses lange Herumliegen ist aber auch nicht schön. Es wird zu langweilig. Nur gut, daß es in den nächsten Tagen wieder weiter geht, sonst verlieren wir unseren großen Haufen noch. Wenn Ihr im Radio hört „Gruppe Guderian“ , dann wißt Ihr Bescheid. Mit ihm sind wir schon Kreuz und quer durch Rußland. Erst Richtung Moskau, dann Kiew, nun wieder Moskau. Eine ganz schöne Reise. Diesmal geht es schneller als wie in Polen oder Frankreich. Diesmal gehts in wenigen Tagen von einem Ende zum Anderen.

Bin gespannt, ob Ihr tatsächlich nach Bamberg seid. Vielleicht habt Ihr meinen Säbel von Tante Lisl mitgenommen. Ich hoffe wenigstens. Was wollt Ihr denn in Zückshut ergattern! Schweinereien kann ich mir nicht gut vorstellen. Und Kartoffeln gibt es doch in Nbg. genug.

Seid Ihr bei dem Fliegerangriff auf Nbg überhaupt zu Hause gewesen? Das interessiert mich jetzt am meisten. Wo sind die Bomben hingefallen? Gebt bald einen Bericht.

Gesund bin ich immer noch, ist doch klar. Sonst könnt ich doch nicht schreiben oder wenigstens nicht so oft.

Von wegen „selber kommen“ und „mittrinken“ wird es nichts. Weihnachtsfeier in Rußland heißt es heuer, wenn wir überhaupt Zeit für solche Gedanken haben.

Übrigens sind jetzt wieder kg-Päckchen zugelassen. Also umgehend eines fertigmachen. 1 Fl. Haarwasser, 1 Rasierpinsel, aber einen guten. Darf ruhig 10 RM kosten, das Geld schicke ich später. Keinen so steifen, sonst nehm ich lieber einen Rasierbesen, geht dann genau so gut. Einen kleinen Spiegel brauch ich auch noch. 2 kleine Tabakspfeifen, da ich ja doch gleich eine wieder verliere und Spielkarten. Das wäre mein Wunschzettel. Ein Seifenschälchen hätte ich fast vergessen. Also, vielleicht könnt Ihr alles auftreiben.

Da ich nun nichts mehr weiß und auch keinen  Wunsch mehr habe für heute Schluß.

Die herzlichsten Grüße sendet Euch
Euer Sohn u. Bruder
Hans

Ihr habt mir noch kein einziges Päckchen bestätigt und habe schon so viele abgesandt. Was ist los? Noch nichts erhalten.

Rußland, den 23. Okt. 1941

23. Oktober 2011


Liebe Eltern u. Irmgard!

Euren Brief vom 25. Aug. erhielt ich am 18. Oktober. Er ist ja ziemlich lange unterwegs gewesen. So ist es ja wahrscheinlich auch mit meinen Briefen an Euch.

Ja, zur Zeit ist das Wetter saumäßig. Dadurch geht es natürlich langsamer. Erst hatten wir ca. 10 Tage Frost und Schnee, jetzt regnet es wieder. Hoffen nun wieder auf Frost, ist doch angenehmer und kommst auch besser vorwärts.

Mit der Ablösung ist es nichts. Immer ran, ist die Parole. Bleiben bestimmt auch den Winter hier. Auf Urlaub braucht man natürlich nicht rechnen.

Von den 20igern erhielt ich vor einigen Wochen ein Schreiben mit einigen Schachteln Zigaretten. Habe neulich zurück geschrieben.

Das Buch Opiumkrieg gehört mir, Volkskunde gehört Walter. Müssen in nächster Zeit wieder Bücher eintreffen.

Heute hörte ich, daß Nbg. bombardiert wurde. Was ist Wahres dran und wurde etwas getroffen?

Wir haben so ziemlich Ruhe von den Fliegern. Anscheinend haben die ihr Material aufgebraucht. Wäre ganz recht.

Neues gibt es sonst nichts. In einer Stadt 100 km von hier liegen für unsere Div. 2000 Sack Post. Hoffenlich ist von Euch etwas dabei.

Für heute sendet Euch die besten Grüße
Euer Sohn u. Bruder
Hans

Liebe Eltern!

Nach längerer Zeit wieder mal einen Brief. Ich glaube, daß ich nicht mehr lange schreiben brauche. Noch einige Wochen bis der große Schlag gelandet ist, dann hoffen wir Richtung Heimat verladen zu werden.

Momentan sitze ich in einem kleinen Städtchen. Habe in einem kleinen Zimmerchen mein Quartier aufgeschlagen. Nachdem die ersten Oktobertage fabelhaften Spätsommer brachten, heult seit gestern ein grausamer Nordost um die Bude. Letzte Nacht hat nun auch der Schnee alles unter eine weiße Decke gehüllt, der nun aber schon wieder durch den Regen vertrieben wird. Habe ja einen Ofen im Zimmer, den es aber meistens mehr friert als wie mich. Gestern und heute habe ich je einen Ster Holz reingefeuert, trotzdem merkt man in der Bude bald nichts davon. Habe die letzte Nacht vor Kälte bald nicht geschlafen. Heute früh habe ich nun gleich sämtliche Spalten am Fenster mit Schafwolle abgedichtet. Vielleicht wird es doch noch etwas warm.

In der Nähe ist ein Flugplatz, den die Roten öfters anzugreifen versuchen. Bomben konnten sie noch keine werfen, dafür erleben wir wieder interessante Vorstellungen. Alleine gestern waren es sieben Bomber, die innerhalb von fünf Minuten im Luftkampf abgeschossen wurden.

Vor einigen Tagen waren wir auch zufällig mal in einem deutschen Kolonistendorf im Quartier. Es war ein eigentümliches Gefühl, so weit von der Heimat wieder mal mit Deutschen sprechen zu können. Auch die kleinsten Kinder sprachen geläufig deutsch. Sonst spürte man aber wenig mehr vom Deutschtum. Bis auf wenige Ausnahmen waren sie genau so dreckig und stinkig wie die Russen.

Nun zurück zu Euch. Ihr schreibt ja aufeinmal auch herzlich wenig. Seit ungefähr Mitte August erhielt ich von Euch außer den Päckchen nur einen Brief. Von Irmgard einen oder zwei Briefe. Schreibt Ihr so wenig oder kommt blos die Post nicht nach? Also setzt Euch wieder mal hin und bemüht Euch ein wenig. Gartenarbeit gibt es ja kaum mehr, wenigstens wenn es bei Euch ebenso kalt ist als wie bei uns.

Gestern kam mir eine Nachricht zu, wonach die Engländer Falschgeld und Lebensmittelmarken über Deutschland abwerfen. Stimmt das? Was die sich alles einbilden.

Sende heute auch zwei Tafeln Schokolade mit ab. Hoffentlich erhaltet Ihr sie bald. Irmgard wird ja Augen machen wenn sie die großen Tafeln sieht. Leider war sie aber diesmal nicht an der Reihe und Ordnung muß sein.

Nun laßt auch bald von Euch hören

Die herzlichsten Grüße sendet Euch
Euer Sohn
Hans

Liebe Eltern!

Endlich komme ich nun wieder dazu, Euch einige Zeilen zu schreiben. Wollte ja schon vor einigen Tagen zur Feder greifen, kam aber ein längerer Marsch dazwischen. Jetzt sind wir aber wieder in Ruhe.

Vor ca. 8 Tagen erhielt ich 4 Päckchen Brause. Vielen Dank. Ihr könnt aber die Sendungen jetzt einstellen. Allmählich wird es kalt, obwohl unser Weg nach Süden führt.

Am 1.9. fiel einer meiner besten Kameraden, Stiegler aus Nbg. Hat 3 Kinder zu Hause. Ihr kennt ihn ja auch. Er brachte Euch letztes Jahr die beiden Pakete von Cham aus. Der 1.9. war überhaupt ein dunkler Tag für uns. Werden lange daran denken.

Die letzten Tage brachten dauernden Regen. Erst seit 3 Tagen geht es wieder einigermaßen. Wir waren während dieser Tage auf dem Marsch. Kein trockener Faden mehr am Leib. Mußten uns die Wege oft erst bauen. Sind dabei schon mehr zu Pionieren geworden. Wenn es hier regnet, gibt es überhaupt keine Straßen mehr. Alles bildet einen einzigen Morast, in dem man oft bis zu den Knien versint. Gott sei Dank hat nun aber der starke Wind wieder aufgetrocknet, so daß wir bald wieder weiter können.

Die Russen-Flieger machen sich auch recht unangenehm bemerkbar. Sobald unsere Jäger verschwunden sind, sind sie da. Und daß diese Ratas nicht von Pappe sind, habt Ihr vielleicht schon gehört. Ungeheuer wendig sind diese Dinger. Mußten erst letzhin einen Angriff über uns ergehen lassen. Die Fetzen sind blos so umher geflogen. War eine Erlösung als unsere Jäger in der Ferne auftauchten. So ein Vogel am Himmel ist uns lieber als die Sonne. Da war das Bild gestern schon erfreulicher. 6 Russenbomber wollten in der Nähe einen Flugplatz belegen. Treffen aber nicht. Sofort stiegen 2 Jäger auf. Die Russen hauen ab. Gerade über uns entspinnt sich ein herrlicher Luftkampf. Ein Gegner nach dem anderen stürzt brennend ab. Innerhalb von 3 Minuten waren sämtliche 6 Bomber erledigt. Nur 3 Flieger konnten abspringen, fielen aber in deutsche Hände. Prima.

Walter schrieb mir auch. Machte ein Päckchen an mich fertig. Brause u. Schoko. Glaube kaum, daß es ankommt. Wird wohl zu schwer sein. Muß ihm aber abschreiben. Will mir auch Rauchwaren schicken. Habe doch alles selbst genug. Hat Vater übrigens noch Tabak. Werde ihm nächstens 2 Päckchen schicken. Soll schreiben, wenn er welchen braucht.

Seit wann ist übrigens Walter von der Kobergerstr. eingezogen. Wußte es ja noch gar nicht. Ich wollte, ich wäre auch in Südfrankreich. Der Wein und Sekt aus Fr. geht mir ab.

Diesmal bekommt Ihr meine Post aber bestimmt schneller. Wird mit dem Flugzeug befördert.

Schreibt nun auch bald wieder. Und feiert heute Mutters Geburtstag richtig. Der Keller birgt ja gute Sachen. Den (Spülwasser-) Kaffee trinke ich hier.

Die herzlichsten Grüße sendet Euch Allen

Euer
Sohn u. Bruder
Hans

Liebe Mutter!

Zu Deinem Geburtstage möchte ich Dir meine herzlichsten Glückwünsche übermitteln. Ich habe am 25.8. RM 30,- als Geburtstagsgeschenk aufgegeben. Hoffentlich erhältst Du es noch rechtzeitig. Das Ausgeben mußt Du dann selbst besorgen. Aber nicht, daß Du es als Wirtschaftsgeld verwendest. Dies ist hiermit verboten.

Indem ich Dir nochmals alles Gute wünsche

grüßt Dich herzlichst
Dein Sohn
Hans


Liebe Eltern!

Euren Brief vom 28. Juli und auch die Päckchen (3) habe ich erhalten und danke Euch bestens. Die Brause war mir ja sehr willkommen. Nur ist es schade, daß man die Beutel nicht länger aufheben kann. Werden in der Hitze gleich ganz weich.

Wenn  ich noch Wäsche zu Hause habe, so braucht Ihr sie nicht zu schicken. Nur die Uhr brauche ich dringend. Wird nicht gleich unterwegs verloren gehen.

Habt Ihr meine vier Päckchen schon erhalten? Drei warten noch auf den Versand.

Von Walter erhielt ich gestern einen Brief. Habe ihm heute auch geschrieben. Er will mir auch Brause schicken.

Bei der Beerenernte habt Ihr scheinbar ein wenig geschwitzt. Die Arbeit kenne ich gar nicht mehr. Wann ich dies wieder mal mache, bin ich gespannt. Ich glaube, das dauert noch einige Jahre. Das nächste Jahr um diese Zeit werde ich wohl wieder an irgendeinem anderen Ende stecken. Ist mir ja egal, aber Zeit wäre es schon wieder zu einem längeren Urlaub.

Neues selbst gibt es bei uns nicht. Unsere alte Richtung haben wir verlassen. Glaube kaum, daß wir noch nach Moskau kommen. Bedauerlich, hätte das Nest mal ganz gerne angeschaut. Jetzt machen wir mehr nach Süden.

Gibt es in Nbg. nichts Neues. Zum Reichsparteitag wird wohl noch nicht gerichtet werden wie die vorhergehenden Jahre. Schreibt Euch Andres aus R. Er muß anscheinend auch in Rußland stecken. Schrieb mir wenigstens so ähnlich.

Für heute sendet Euch die herzlichsten Grüße
Euer Sohn 
Hans

Grüßt Frau Bernhard wieder.

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